Aus den obengenannten Erkenntnissen kann ein Maßnahmenkatalog erstellt werden, der über Entbuschungsaktionen, Erstellung von Pflegeplänen, Pacht und Ankauf der Flächen, Ausweisung von Pufferzonen, Dokumentation, Information der Bevölkerung bis hin zu genetischen Untersuchungen der isolierten Populationen reicht. An dieser Stelle sei auf die Arbeiten von GANAHL & ERSCHBAMER (1998), ERSCHBAMER & SCHERER (1999), WINKLER et al. (1999) und nicht zuletzt auf den Österreichischen Trockenrasenkatalog (HOLZNER et al. 1986) verwiesen, in denen detaillierte Forderungen zum Erhalt der Trockenrasen aufgeführt sind. Diese Forderungen sind nicht neu aber nach wie vor gültig. Allerdings sind sie bisher mehr oder weniger ungehört geblieben.
Um einen Überblick über ausgeführte und zukünftige Anstrengungen zur Erhaltung der Magerrasen zu gewinnen und ein mögliches Prozedere vorzuzeichnen, wird im Folgenden ein Konzept nach WILLEMS (2001) vorgeschlagen.
WILLEMS (2001) unterscheidet drei Phasen der Wiederherstellung von Magerrasen:
- "Pre Restoration Stage": Dieses Stadium ist gekennzeichnet durch eine Inventarisierung sowohl der unterirdischen Diasporenbank als auch der oberirdischen aktuellen Vegetation, eventuell auch der Überbleibsel der früheren Vegetation. Aufgrund dieser Informationen kann dann ein Plan zur Wiederherstellung erstellt werden.
Die Untersuchung der Diasporenbank durch SCHERER (1998), die ergab, dass Pulsatilla oenipontana keine persistente Samenbank bildet. Die Vegetation wurde von GANAHL (unveröff.), SCHERER (1998) und von mir (UNTERASINGER 2002) erhoben. Die Reaktion von Pulsatilla oenipontana auf eine Erhöhung der Nährstoffe wurde von GANAHL (unveröff.) geprüft. Die wichtigsten Blütenbesucher sowie die blütenphänologischen Besonderheiten von Pulsatilla oenipontana sind bekannt (KNOLL 2000). Die Wachstumsraten von Pulsatilla oenipontana und der anderen Magerrasenarten (SCHERER 1998) wurden getestet. Außerdem wurde die Möglichkeit der Wiederansiedelung von Pulsatilla oenipontana versucht (UNTERASINGER 2002). Die vorliegende Arbeit klärte zudem die Frage, wie sie auf Konkurrenz reagiert (UNTERASINGER 2002). Aus diesen Erkenntnissen folgt:
- Pulsatilla oenipontana muss nachgepflanzt werden, eine Regeneration aus der Samenbank ist nicht möglich.
- Die Düngung der Flächen mit Mist oder Gülle muss verhindert werden.
- Pulsatilla oenipontana ist extrem langsamwachsend und wenig konkurrenzstark; Konkurrenz sollte also möglichst klein gehalten werden.
Es folgt die zweite Phase der Wiederherstellung.
- "Initial Restoration Stage": In dieser Phase ist die Wiederherstellung der ursprünglichen Halbtrockenrasen mit zum Teil erheblichen Aufwand oberstes Ziel: die Entfernung des Buschwerks, mehrmalige Mahd jährlich die Entfernung des dichten Filzes der abgestorbenen Pflanzenteile der dominanten Gräser, da diese eine Etablierung der Trockenrasenarten verhindern würden. Bei stark degenerierten Mesobrometen empfiehlt sich eine Nachsaat der typischen Arten.
Zu tun ist:
- Unabdingbar ist zudem eine begleitende wissenschaftliche Betreuung. Diese beinhaltet die Weiterverfolgung der Dauerflächen einerseits, genetische Untersuchungen andererseits.
- Notwendig sind zudem weitere Auspflanzungen und die Nachsaat anderer Magerrasenarten aus typischen Kalkmagerrasen.
Die dritte und letzte Phase zur Wiederherstellung von Magerrasen ist die längerfristige Erhaltung.
- "Consilitation Stage": Wenn die Bedingungen für die Wiederherstellung der Artenvielfalt erfüllt sind, kann die regelmäßige Bewirtschaftung beginnen. Diese Phase bedeutet einen Rückgang des Pflegeaufwandes und bedeutet im Idealfall eine "übliche" landwirtschaftliche Tätigkeit (z.B. einschürige Mahd) mit entsprechenden Ausgleichszahlungen. Außerdem ist es in diesem Stadium wichtig, die Vegetationsentwicklung anhand von Dauerflächen zu beobachten und ein kleinmaßstäbliches Vegetationsinventar durchzuführen, um den Sukzessionsprozess verfolgen zu können. Diese Daten wiederum dienen der Erfolgskontrolle einerseits, dem Abschätzen externer Störfaktoren (wie z.B.: Luftschadstoffe) andererseits. Diese Phase kann etliche Jahre in Anspruch nehmen.
Diese Phase muss in die Überlegungen für eine längerfristige und nachhaltige Erhaltung der Magerrasen und von Pulsatilla oenipontana miteinbezogen werden.
- Die Zahlung von Mähprämien für die Erhaltung der Halbtrockenrasen müsste weitergeführt werden.
- Der wissenschaftliche Forschungsbedarf wird in dieser Phase zurückgehen, die Dauerflächen müssten aber nach wie vor weiterbeobachtet werden, um eine etwaige Falschentwicklung frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.
Um eine kontinuierliche und nachhltige Pflege der Flächen garantieren zu können, ist eine längerfristige Finanzierung der Mähprämien notwendig. In Tirol wird das durch Zahlungen aus dem Naturschutzfond bewerkstelligt. In Flächen, die außerhalb vom Schutzgebiet liegen, wird die Mahd durch ÖPUL-Mittel gefördert.